Wo zum Teufel ist „Daugavpils“????

Ein sportlicher Bericht aus Lettland

Die verwunderten Blicke über mein gewähltes Urlaubsland waren vorhersehbar.
Was bewegte mich eigentlich dazu, nach Lettland zu reisen?
Die Antwort darauf war relativ einfach in einer Ausschreibung zu finden:

1st IUKL Women´s Long Cycle Trails 2016 in Kettlebell Lifting.

„Bitte was….?“

Weitere Erläuterungen klangen wohl wie „Böhmische Dörfer“ in den Ohren meiner Gesprächspartner, die vom Kettlebell Sport noch nie etwas gehört haben.
Glücklich darüber, dass Olivia der gleichen Meinung war, dort unbedingt Präsenz zeigen zu müssen, wurde gar nicht lange gefackelt: Rückmeldung an Karsten Bollert, mit der Bitte uns anzumelden.

Somit stand fest, Olivia würde im OALC mit 20 KG starten, ich meldete mich zum TALC mit 2×16 KG an.
Urlaubstage schieben, Flüge buchen, Unterkünfte checken, unser Rahmenprogramm nahm Formen an.
Eine Woche Lettland, aufgeteilt auf 4 Tage für den Wettkampf in Daugavpils und 3 Tage um Riga zu besichtigen.

Aber wo zum Teufel liegt eigentlich Daugavpils ???

Angekommen in Riga waren es noch 3 Stunden Autofahrt im Minibus über Landstraßen.
Schnell im Supermarkt vorbeigeschaut und ab ins Bett. Am darauffolgenden Tag wollten wir zur Akkreditierung und standen ausgeschlafen nach einem kurzen Fußmarsch im Olympic Center. Allerdings war niemand anzutreffen. Niemand…außer den freundlichen Damen am Schalter, die in einem Gespräch vertieft waren.
Um Zeit zu überbrücken wurden wir von einer der Damen zum Workout der lettischen Ringergruppe eingeladen. Zuschauen war uns dann doch lieber.
Einige Sportler dieser Gruppe werden nach Rio fliegen, wir werden es hoffentlich verfolgen können.
Gegen Mittag kam Bewegung auf. Wir konnten als erstes Team zum Wiegen. Kurzer Blick in die Halle, aufgebaut war noch nicht wirklich viel, zum Glück gab es einen Zeitplan im Internet, der einige Wochen vorher veröffentlicht wurde. Dazu 3 Stoßgebete, man möge die Halle gut über Nacht lüften. Die ausgelegten Teppichteile rochen ziemlich penetrant und stellten sich als Stolperfallen heraus.

Am Samstag startete die Jugend U-16/U-18 mit ihrer Eröffnungszeremonie und den Wettkämpfen. Um 15.30 Uhr sollte es dann für uns losgehen.
Mit Blick auf die ersehnten Startlisten kam kurz etwas Ernüchterung auf. Es traten nur 22 Sportlerinnen beim Long Cycle Trail an, was aber bestimmt dem Umstand geschuldet war, dass bei vielen Sportlerinnen neben natürlich diversen persönlichen Gründen die Finanzierung der Teilnahme solcher Events eine große Rolle spielt.
Zum Glück sollte es noch eine „Satellite“ Veranstaltung geben. Genauere Informationen liegen uns bis heute aber leider nicht vor.
Erfreulicherweise waren neben Lettland auch Teilnehmerinnen aus England, Norwegen, Irland, den USA, Polen und Deutschland vertreten.
Es war genügend Zeit, uns viele Flights anzusehen und die Judges zu beobachten. Dabei viel uns einer besonders auf, der viel Gestikulierte.
Meiner Teamkollegin war er schon von der EM in Gdansk bekannt, wo sie den 2. Platz machte.

Im ersten Flight waren 4 Plattformen besetzt, OALC mit 16 KG.

Olivia startete im zweiten Flight und hat eine sehr gute Leistung mit 110 Wiederholungen abgeliefert.

Ein guter 4. Platz in einem wahnsinnig starken Feld!! Da ich schon im Flight 4 startete, konnte ich ihr Set leider nicht aufnehmen.
Flight 3 belegten 4 Teilnehmerinnen im OALC mit 24 KG. Es ging wie immer alles sehr schnell und schon ging es mit TALC mit 2×16 KG weiter.
Ich war glücklich, den strengen Judge nicht vor mir sitzen zu haben. Der saß vor Platform 6, ich stand auf 5.
Doch da geschah es: die Lettin legte die Kugeln nach ca. 4 Minuten ab und da ihm anscheinend langweilig war, kam er zu meiner Plattform rüber und setzte sich zu meinem Judge.
Eigentlich wollte ich mich nicht von ihm irritieren lassen, doch auch bei mir hatte er was auszusetzen und gestikulierte einmal sehr wild.
Nach meinem Set gab er mir den Tipp, etwas länger im Lockout zu fixieren, was er mir auch in besagten Moment angezeigt hatte

2. Platz mit 72 Wiederholungen!

Wir beschlossen, ihn den „Silver Judge“ zu nennen.
Übrigens, ist er ansonsten eine sehr nette und witzige Person. Ich musste unbedingt ein Foto mit uns machen.
Ganz stark unterwegs waren drei Norwegerinnen, die mit 2×20 KG antraten.

Celine Lorentsen gewann mit 68 Wiederholungen. Stark!

Eine tolle Geste wurde uns zuteil, dass alle Teilnehmerinnen des Long Cycle Trails mit einer Medaille und einem Zertifikat geehrt wurden. Ein schönes Gruppenfoto entstand und alle waren happy, dabei gewesen zu sein.

Wie gesagt, in erster Linie ging es darum Präsenz zu zeigen damit die Disziplin für uns Frauen auf weiteren Großveranstaltungen der IUKL freigegeben wird.

Da Olivia ja unsere Snatch-Königin ist, war sie zusätzlich am nächsten Tag zur Grand Prix Serie angemeldet. Erklärtes Ziel: persönliche Bestleistung mit 16 KG.
Gesagt, getan! Ergebnis: unfassbare 212 Wiederholungen. Ziel erreicht und glatt noch eine Silbermedaille abgestaubt.

Was kann man abschließend sagen?

Erholt haben wir uns in Riga, eine wunderschöne Stadt, die immer einen Besuch wert ist.

Wir haben tolle Athletinnen getroffen, persönliche Ziele erreicht und vielleicht sogar Geschichte geschrieben, denn wir waren dabei, beim

„1st Women´s Long Cycle Trial in Kettlebell Lifting“!

Beste Kettlebell Grüße

Eva Classen

IUKL Long Cycle Trials in Lettland

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